Der Zähringer Löwe

 

 

 

 

Im Früh- und Hochmittelalter war es noch üblich, dass ein Buch, gemeint ist hier eine Handschrift, in Auftrag gegeben wurde. Das Schreiben, Malen und Binden des Buches fand in der Regel im Scriptorium eines Klosters statt, Geschrieben, respektive abgeschrieben, also kopiert, wurden überwiegend liturgische aber auch juristische Texte. 

Das Pergament, meist aus den Häuten von Schafen, Lämmern und Ziegen hergestellt, Vellum aus den Häuten von Kälbern, löste etwa zwischen dem 2. Jh. bis 4. Jh. den Papyrus ab (im Vatikan verwendete man noch bis zum 9. Jh. Papyrus) – es erfolgte ein Wandel zum Codex. Diese Form entwickelte sich aus der Unfähigkeit heraus, Pergament immer wieder auf- und zuzurollen, Rollen bis zu 10 Meter Länge waren üblich, wie man dies beim Papyrus, gewohnt war. Ein erster Nachweis einer Kloster-Buchbinderei stammt aus dem 6. Jh. n. Chr. Im 7. Jh. wird Sigibert von Köln erwähnt und im 9. Jh. tritt das Kloster St. Gallen hervor.  

Vor dem Beginn der Anfertigung eines Buches bestimmte der Auftraggeber die Ausführung und Ausgestaltung des Buches und stellte zum Teil auch die teilweise sehr kostbaren Verbrauchsmaterialien, z. B. Gold, Pigmente etc., zur Verfügung. Für die Herstellung eines Evangeliars, wie z. B. das Goldene Mainzer Evangeliar musste eine Herde von etwa 200 bis 300 Schafen sich den Gerbern überlassen. Große Schaf- und Ziegenherden aufzuziehen, zu hüten, zu füttern und zu schlachten konnten nur große landwirtschaftliche Güter leisten. Große Klöster unterhielten solche Wirtschaftsbetriebe und verfügten auch über die nötigen Weideflächen – die Voraussetzung für die Pergamentherstellung war damit gegeben. 

Die Faustregel besagt, dass man aus der Haut eines einzigen Tieres ein großes Pergament-Doppelblatt erhält, Bögen von 40 – 60 cm Höhe und 50 – 60 cm Breite. Der Schreibgrund wurde auf die zuvor festgelegte Größe zugeschnitten und der Scriptor begann auf dem fertigen Pergamentblatt mit der Linierung des Schreibgrundes und legte dabei die Zeilenhöhe und die Zeilengrenzen fest. Anschließend begann der Scriptor mit dem eigentlichen Schreiben, wobei er aber die prächtigen Initialbuchstaben mit einem Silberstift nur vorzeichnete und für die auszumalenden Überschriften entsprechend Platz ließ. 

Bei umfangreichen Aufträgen arbeiteten mehrere Schreiber an verschiedenen Textabschnitten oder die entsprechende Passage wurde laut diktiert und von mehreren Scriptoren bzw. Kopisten aufgeschrieben, so dass eine Vielzahl von Kopien entstand. Beim Diktat bestand allerdings die große Gefahr von Hörfehlern, die in den Text einflossen.

Die Schreibgewohnheiten der Schreiber waren sehr unterschiedlich. Manche bevorzugten ein Kniepult, andere ein schwenkbares Pult. Am häufigsten wurden Pulte auf einem Tisch benutzt.

So arbeiteten am Goldenen Mainzer Evangeliar, das etwa um 1245 entstand und aus 100 Blatt besten Pergaments und in Goldtinte geschrieben besteht, drei Schreiber und viele Rubrikatoren, lat. rubrum = rot, und Illustratoren,  lat. Illustrare = erleuchten, erhellen.

War der Haupttext fertig, wurden Initialen und andere Hervorhebungen vom Rubrikator nachgetragen. Das Aufmalen von Bordüren und die weitere Illumination der Seite war dann Aufgabe spezialisierte Handwerker, die Illustratoren.  

Das typische Buch dieser Zeit war der mittelalterliche Prachteinband – ein Einzelstück, das bis zur Fertigstellung viele Jahre Arbeit benötigte.

Nachdem auch die Miniaturen vollendet waren, konnte der Buchbinder sein Werk beginnen. Vier bis fünf Doppelseiten wurden gefalzt und zu einer Lage zusammengefasst und die einzelnen Lagen wurden auf ihre richtige Reihenfolge überprüft und in einer Buchbinderlade mit Hanfschnüren miteinander auf die erhabenen Bünde geheftet. Auf diese Weise entsteht der Buchblock, der zum besseren Schutz mit einem Einband aus dünnen Eichen- oder Buchen-Holzbrettern mit Leder bespannt und mit Buchschließen versehen wurde. Holzdeckel und Buchschließen verhinderten, dass sich das Pergament durch Feuchtigkeit aufwellte. In den Scriptorien waren auch Frauen beschäftigt.

Die Herstellung solcher Bücher geschah ad maiorem Dei gloriam, zur höheren Ehre Gottes. Wohlhabende Adlige ließen sich schön ausgestaltete Stundenbücher anfertigen, wohl auch deshalb, um ihres irdischen Seelenheils willen.  

Der Schwerpunkt der Buchherstellung lag jedoch auf Werken für den gottesdienstlichen Gebrauch. Das waren oft das gesamte Neue Testament, Evangeliare mit den feststehenden Texten der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes; für die Liturgie Perikopenbücher, welche die Abschnitte aus den Evangelien enthalten, die im Laufe eines Kirchenjahres im Gottesdienst benötigt wurden. Die Sakramentare, die alle Gebete und Lesungen enthalten, sowie die Missalien als wichtigstes liturgisches Messbuch der katholischen Kirche. In Choralbüchern sind die feierlichen Gesänge für das Kirchenjahr zusammengefasst. Der Psalter, hebräisch Tehillimתְהִלִּים = Preisungen, von dem griechischen Wort psalmós = Lied, Lobgesang, als das wichtigste liturgische Werk in den Klöstern, enthält die 150 Psalmen, die von den Mönchen innerhalb einer Woche gesungen werden. Dazu kamen die kalendarischen Verzeichnisse der Martyrologien und die nach dem Kirchenjahr monatsweise geordneten Heiligenviten, die Menologien.

In den Klosterbibliotheken konnten Bücher auch ausgeliehen werden, für die ein Entgelt zu entrichten war. Nicht ausleihbare aber einsehbare Bücher wurden um Diebstahl zu verhindern mit einer Kette an das Lesepult befestigt, so genannte Kettenbücher. 
Die Beutelbücher, die man bequem am Gürtel tragen konnte, kamen erst im 14. Jh. für etwa 200 Jahre auf.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Psalm 91
Albani-Psalter

© Dombibliothek Hildesheim

 

 

 

Initiale B
Albani-Psalter 

© Dombibliothek Hildesheim

 

 

Bamberger Apokalypse,
 die sechste Posaune
 Reichenau, um 1020 n. Chr.

 

 
Copyright