Der Zähringer Löwe

 

 
 


Die Kanzlei, cancelli, war eine Verwaltungsebene des Regenten. Ihr oblag die Ausfertigung und Archivierung der Urkunden sowie die Durchführung des Schriftverkehrs, z. T. auch diplomatische Aufgaben. Geleitet wurde sie von einem cancellarius. Der bekannteste cancellarius unter Friedrich II. dürfte Petrus von Vinea gewesen sein. 1221 wurde er als notarius in die Hofkanzlei übernommen, 1225 war er Großhofrichter und 1247 wurde er zum Leiter der kaiserlichen Kanzlei ernannt. Personell setzte sich die Kanzlei aus einer geringen Anzahl von Notaren zusammen.  

Von den Römern übernahm das byzantinische Reich die aus der Spätantike stammende Verwaltungsform und führte sie bis zu seinem Untergang im 15. Jh. fort. Etwa ab dem 4. Jh. wurde erstmals eine Apostolische Kanzlei von der römischen Kurie betrieben. Die Herrscher der Merowinger, Langobarden und Franken übernahmen den Begriff für ihre Behörde. Bei den Karolingern hieß die Kanzlei Hofkapelle und wurde von einem Erzkaplan geleitet. Ab dem 11. Jh. nannte man ihn Kanzler, cancellarius, bzw. Erzkanzler. Im 12. Jh. bildete sich die königliche Reichskanzlei heraus, die von einem Hofkanzler geführt wurde. Kaiser Friedrich I. legte 1157 die Leitung der kaiserlichen Kanzlei in die Hände von protonotarius Heinrich von Wiesenbach. Von Barbarossas Enkel, Friedrich II., wurde 1244 die erste kaiserliche Kanzleiordnung erlassen. Durch stetiges Anwachsen des politischen Einflusses wuchs das Amt des cancellarius und so galt seit Konrad III. (*1093; †1152) der cancellarius als Reichsfürst.  



Ab dem 13. Jh. war die Kanzlei auch zentrale Behörde eines Landesherrn (Fürsten) oder einer Stadt. Die Kanzleien des Mittelalters waren stets Instrumentarium der Machtausübung. In den Territorien dienten sie dem Aufbau der mittelalterlichen Landesherrschaft. Das Personal bestand i.d.R. aus dem Kanzler als eine juristisch ausgebildete Persönlichkeit, so genannte Ministeriale, und deren zahlreichen Schreiber, Scriptoren. Reichsministeriale führten diese Behörde an den Königs- und Kaiserhöfen. Ministeriale dienten auch in den Bistümern und in der römischen Kurie. In den sich im 13. Jh. bildenden Städten war der Stadtschreiber meist lange Zeit der einzige rechtskundige Beamte.

Die Kanzlei war anfänglich eine Gruppierung von Personen aus dem geistlichen Stand, die zur Erstellung der Herrscherurkunden herangezogen wurden. Im Spätmittelalter sind die Kanzlisten durchgehend „Angestellte“; das geistliche Element tritt zugunsten des weltlichen zurück. 
Mit der enormen Zunahme von Rechtsgeschäften im 13. Jh. aufgrund von Lehens-, Erbversprechen, Familienverträgen und anderer Privilegien erhält die Sicherung der ausgestellten Urkunden durch Abschriften in Registern [als Regest lat. res gestae = „die getanen Dinge“ bezeichnet man in der Geschichtswissenschaft die Zusammenfassung des rechtsrelevanten Inhalts einer mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Urkunde.] eine völlig neue Bedeutung. Die Kanzlei wird nun ein eigener Raum oder gar ein eigenes Gebäude und die Ortsgebundenheit, die stabilitas loci, macht es notwendig, einen immer umfänglicher werdenden Handapparat in Form von Kanzlei- und Registraturbüchern anzulegen. Reisekönige führten stets eine vom Kanzleipersonal ständig bereitgehaltene Truhe mit den wichtigsten Urkundenabschriften, so genannte Rotulus mit, welche sich in ledernen Tuben befanden. Um bei Bedarf das richtige Dokument schnell zu finden, legten sie ein Findbuch an. Ob auch Frauen in den Kanzleien als Schreiberinnen tätig waren, ist mir nicht bekannt. Wohl waren Frauen in den Scriptorien beschäftigt. Als Schreiberinnen und Malerinnen waren sie an der Buchherstellung beteiligt. So leitete Gisela, die Schwester Karls des Großen, im 8. Jh. ein Scriptorium. Aus dem 12. Jh. ist uns die Nonne Guta Kodex Guta – Sintram 1154, Kloster Murbach im Elsass bekannt.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Das Mittelalter unterschied Urkunden nach Diplom und Mandat. Weniger Beglaubigung und Rechtsinhalt, sondern Qualität und Dauerhaftigkeit einer Urkunde sollte damit zum Ausdruck kommen. Rechtshandlungen, von besonderer Bedeutung, wie Schenkungs- und Belehnungsurkunden, Freilassungsurkunden (Entlassungen aus der Villikation), Immunitäts- und Schutzprivilegien, Lehnsbriefe usw., die auf die Ewigkeit ausgelegt waren, nannte man Diplom; Geschäftsurkunden, die ein einmaliges Alltagsgeschäft regelten, nannte man Mandat mandare = „aus der Hand geben“. 
Rechtsgültig waren diese Urkunden nur, wenn sie in bestimmter Form beschaffen, Pergament, in einem bestimmten Muster, Kanzleisystem, aufgebaut und in einer bestimmten Kanzleisprache abgefasst und gesiegelt waren. Obwohl Papier im 12. Jh. in Spanien und in Italien schon bekannt war und teilweise auch in Deutschland genutzt wurde, ließ König Roger II. von Sizilien bereits 1145 Papierurkunden auf Pergament abschreiben, weil er der Haltbarkeit des neuen Beschreibstoffs nicht traute. 1231 verbot Kaiser Friedrich II. in den Constitutiones von Melfi die Verwendung von Papier für Urkunden als illegal.
Pergament wurde meist aus den Häuten von Schafen, Lämmern und Ziegen hergestellt. Vellum aus den Häuten von Kälbern. In Kalkwasser gebeizt, enthaart, glatt geschabt, gespannt und mit Bimsstein und Kreideschlamm nachbehandelt, entstanden Bögen von 40 – 60 cm Höhe und 50 – 60 cm Breite. Für die Herstellung eines Evangeliars, wie z.B. das Goldene Mainzer Evangeliar musste eine Herde von etwa 200 Schafen sich den Gerbern überlassen.

 


Urkunde Barbarossa, 1157 einfügen

 

 
 
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