Der Zähringer Löwe

 

 

 

 


Unter Karl dem Großen wurden die bis dahin unterschiedlich verwendeten Schriftarten zu Gunsten der Lesbarkeit vereinheitlicht. Es entstand die
Karolingische Minuskel, eine recht breite und runde Schriftart, die ab dem 9. Jh. eingeführt und bis ins späte 12. Jh. Verwendung fand. Minuskel bedeutet, dass die Buchstaben in einem Vierliniensystem Ober- und Unterlängen besitzen. Majuskeln basieren entsprechend auf einem Zweiliniensystem, ähnlich unseren heutigen Großbuchstaben. 

Anfang des 13. Jh. wurden die Buchstaben in Frankreich recht schmal und fett. Die Linien waren jetzt „gebrochen“. Mit der littera fractura entstanden die gotischen Schriftarten - die gotische Textur und die gotische Kursiv mit ihren verschiedenen Facetten, z.B. der Rotunda.

Die gotische Textur mit ihrem viel schmaleren Schriftbild
 


und die gotische Kursiv im Vergleich

Der Grund für diese Sparsamkeit lag in der sehr arbeitsintensiven Herstellung des Schreibmaterials, dem Pergament, das immer teurer wurde. Mit der neuen Schriftart konnte man jetzt dreimal soviel Text auf dem gleichen Raum unterbringen, als mit der Karolingischen Minuskel

Es war der Inhalt eines Buches, der die Schriftart bestimmte. Für liturgische Texte verwendete man in deutschen Landen die gotische Textur, für offizielle Schriften die gotische Kursivschrift. Der Name „Textur“ leitet sich aus dem lat. textura = Gewebtes ab. Der Name „Gotisch“ war ursprünglich ein Schimpfwort; er leitet sich aus den schlechten Erfahrungen der Römer mit den Germanen ab, die im 5. Jh. unter Alarich Rom zerstörten. Im 13. Jh. erinnern sich die Italiener noch immer an die Taten der Westgoten und nennen die neue Schriftart gotisch, was barbarisch bedeutet. So wurde die gotische Textur zur allgemeinen Buchschrift und die gotische Kursiv zur Geschäftsschrift.  

In den Diplomen und Mandaten der staufischen Reichskanzlei war jedoch eine besondere Schriftart in Gebrauch – die diplomatische Minuskel, eben eine Kanzleischrift. Darin wurden auch Majuskeln verwendet und zwar in der Eingangsformel PROTOKOLL, der Intitulatio, sowie in der Schlussformel ESCHATOKOLL, den Subscriptiones. Sinnabschnitte wurden durch Initialen mit Zitterlinien, Haar- und Schattenstriche besonders hervorgehoben. Diese Schriftart mit ihren verzierten Ober- und Unterlängen ist eine künstliche Schrift, eine Kunstschrift, die die Amtlichkeit des Dokumentes hervorheben soll.  

Neben dieser diplomatischen Minuskel kursierte noch eine andere Schriftart, die Kuriale. Weil sie nur schlecht zu lesen war, verbot Kaiser Friedrich II. sie 1231 kurzerhand in den Constitutiones von Melfi.

Wie in allen lateinischen Texten üblich, finden sich auch in Urkunden viele Abkürzungen. Diese Abbreviationen dienten einer schnelleren Schreibweise. Die jeweiligen Schreiber einer Kanzlei oder eines Scriptoriums legten deren Gebrauch als Muster fest. Unterschieden werden die Suspension und die Kontraktion. Erstere setzt sich aus den Initialen eines Wortes zusammen, Letztere baut sich auf den Hauptkonsonanten am Wortanfang und Wortende auf. 

Einige der gängigsten Abbreviationen 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Copyright