Der Zähringer Löwe

 

 

 


Schwarze und rote Tinten stellten die Ägypter bereits vor 5000 Jahren her. Sie verwendeten dafür eisenoxydhaltige Erden, Essig, Gummi Arabicum und Wasser. Um etwa 1000 v. Chr. verwendete man im fernen Osten eine Tuscheart aus dem Ruß verbrannter Nadelholzkohle, Lampenöl und Leim,
indische Tinte genannt. Die im 13. Jh. am häufigsten gebrauchte Eisengallustinte wurde von den Arabern etwa im 3. Jh. n. Chr. entwickelt. Sie war wasserfest und wies eine schöne tiefschwarze Färbung auf. Allerdings hatte sie zwei Nachteile: sie war nicht lichtecht und erzeugte nach Jahren den so genannten Tintenfraß durch Bildung von Schwefelsäure, der den Beschreibstoff (Pergament, Papier) zerstörte. 


Eisengallustinte

Eisengallustinte, die noch heute Verwendung findet, besteht aus zu Pulver zerstampften Galläpfeln, Eisenvitriol, Gummi Arabicum und Lösungsmitteln wie Wasser, Essig oder Wein. Galläpfel, als wichtigste Zutat, entstehen durch die Gallwespe, die ihr Gelege in die jungen Blätter und Äste von Eichen legt, wodurch dort ein Geschwulst entsteht. Nach mehreren Monaten bilden sich daraus kirschgroße Gallen, mit einem sehr hohen Anteil von Gerbsäure. Gummi Arabicum stammt von verschiedenen Akazienarten, das auch als Bindemittel für Räucherwerk und in Verbindung mit ätherischen Ölen auch medizinisch genutzt wird.

Die schwarze Farbe der Eisengallustinte entsteht erst nach dem Schreiben durch die Aufnahme von Luftsauerstoff. Mit dieser Tinte ist vorsichtig umzugehen, denn sie lässt sich nicht mehr aus Textilien herauswaschen. Sie ist auch nur zum Schreiben mit Vogelfedern oder dem Calamus (Schilfrohr) und für die ab etwa 1750 aufkommenden Stahlfedern geeignet.

Mittelalterliche Schreiber stellten ihre Tinten selbst her. Rezepte zur Tintenherstellung finden sich in Scriptorien in vielen Musterbüchern, so genannten Traktaten: Um 800 entstand eine Handschrift Compositiones ad tingenda musiva, das Lucca-Manuscript; im 10. Jh. die Mappae Clavicula; im 11. Jh. Libri Eraclii de coloribus et artibus Romanorum; oder im 12. Jh. das Traktat des Mönchs Theophilus De diversis artibus.

Gold- und Silbertinten fanden Verwendung in Prachthandschriften wie z.B. das Goldene Mainzer Evangeliar, das durchweg in Goldtinte geschrieben wurde. Um die Kostbarkeit eines Buches noch zu steigern, schrieb man wie im Lorscher Sakramentar auf purpurfarbenem Untergrund.
Um Initialen, Wörter oder Überschriften hervorzuheben bediente man sich so genannter Auszeichnungstinten. Herstellung und Verwendung solcher, teils giftigen, Farben werden hier nicht beschrieben. 

Meistens finden sich rote, blaue, grüne, selten gelbe Tinten in den Handschriften wieder. Diese natürlichen oder chemischen organischen und anorganischen Farbmittel, die zum Teil auch giftig (Quecksilber, Grünspan) waren, hafteten nur auf dem Beschreibstoff durch die Beigabe von Bindemitteln, wie z.B. Eikläre, Kirsch- oder Pflaumengummi, Pergamentleim oder Fischleim aus der getrockneten Schwimmblase des Störs.

Tintenfraß - das Pergament wird buchstäblich durchfressen


Dornentinte

Auch die Dornenzweige von Schlehen sind ein Ausgangsmaterial für eine schwarzbraune Tinte. Man schneidet sie im April und Mai kurz vor der Knospenbildung und lässt sie dann einige Tage liegen. Nun wird die Rinde mit einem hölzernen Hammer abgeklopft, in Wasser gelegt und wieder einige Tage stehengelassen. Im Folgenden wird das rotbraune Wasser mit der Rinde einige Male aufgekocht, bis die Rinde keine Farbpartikel mehr hergibt. Mit Rotwein versetzt lässt man den Sud einkochen und stellt ihn anschließend in die Sonne, bis sich die dunkle Tinte von dem rotbraunen Satz trennt.   
In Pergamentsäckchen umgefüllt, lässt man den Satz in der Sonne völlig durchtrocknen. Das Farbpulver ist somit gefahrlos transportfähig Das Pulver versetzt man mit Rotwein, um es gebrauchsfertig zu machen. Zusätzlich können Ruß, Kupfervitriol beigegeben werden oder man taucht ein Stück glühendes Eisen ein, um der Tinte eine kräftigere Farbe zu verleihen.  

Beim Schreiben wird im Mittelalter gerne ein Rinderhörnchen für die Tinte benutzt. Zum Transport der flüssigen Tinte benötigt man jedoch ein geschlossenes Gefäß.
Freilich benötigt ein Scriptor weiteres Handwerkzeug: eine Wachstafel für Notizen, ein Lineal, einen Bimsstein und ein Schafsfell zum Bearbeiten des Pergamentes und ein Federmesser, um damit seine Feder zurechtzuschneiden und auch um Fehler vom Pergament zu kratzen. 



Demnach hatte ein mittelalterlicher Schreiber Viererlei nötig:

Gänsefeder zum Schreiben,

Rinderhorn für das Tintenhörnchen,

Schafsfell für das Pergament,

Dornen für die Tinte.


Zwei schnelle Rezepte

Eisengallustinte 

50 g pulverisierte Galläpfel in 500 ml Wasser auskochen. Eisensulfat aus alten Nägeln und Schrauben mit Essigsäure herstellen. Dazu Nägel und Schrauben in eine Dose geben und mit Essigsäure begießen und vier Tage offen stehen lassen. Dann die säurehaltige Flüssigkeit durch einen Kaffeefilter in den Sud geben und noch 20 g pulverisiertes Gummi Arabicum untermischen – Fertig.
Diese Tinte nicht in Füllhalter verwenden
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Holundertinte

Eine bei Kindern beliebte Tinte, weil ungiftig, ist die Holundertinte. Sie ist zwar nicht von langer Dauer und verblasst schon bald aber für ein Experiment gut geeignet. Mann kocht Holunderbeeren aus und presst den Saft durch ein Sieb. Die Tinte ist sofort benutzbar. Einziger Nachteil: blaue Finger.  

 

Eichengallen

 

 

Die Gallwespe

 

 


Gallusäpfel, frisch & getrocknet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlehendornhecke

 

Calamus, Federmesser,
Gänsekiele, Tintenhorn

 

Rekonstruktion eines Diptychon

 

Mainzer Evangeliar: Federmesser in der Hand des Apostelschülers Lukas

 
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